Methoden...

Es gibt einige Methoden für die Achtsamkeit. Da wäre die STOP-Methode (STOP, Take a breath, Observer, Proceed) oder die RAIN-Methode (Recognize, Allow, Investigate, Nuture). Damit kann man in schwierigen Situationen, bei Stress, sich selbst wieder etwas erden, zu sich selbst finden, aus dem Autopiloten ausbrechen.

Als ich mich näher damit befasste, stellte ich fest, dass die Begriffe teilweise sehr weit gefasst sind, manchmal mehrere Schritte zusammenfassen.

Mir gefiel das nicht. Vielleicht auch deswegen, weil ich mir Akronyme nicht so gut merken kann, wenn die gemerkten Begriffe nicht ausreichend sind. So fasst bei STOP Proceed verschiedene Schritte zusammen.

Auch bei RAIN steht ein Begriff für mehrere Dinge. Das Investigate steht eigentlich dafür, die Situation bewusst wahrzunehmen (also im Körper, Gedanken, Gefühle), was durch die Wahrnehmungen bewirkt wird und was ich gerade brauche in dieser Situation. Das sind eigentlich drei Schritte.

Diese Methoden sind sicherlich sehr hilfreich für Menschen, die sich intwnsiv damit auseinandersetzen und sie immer wieder üben. Für mich selbst brauche ich aber eine Methode, die mich zuverlässig und strukturiert durch die einzelnen Schritte leitet.
Daher baute ich mir eine eigene Methode.

oWEEHH

Die Abkürzung ergab sich tatsächlich von selbst, da ich erst Begriffe sammelte und später schauen wollte, wie man daraus ein griffiges Akronym bauen könnte.

Das o ist nur Zierde und macht es gut merkbar: "Oweehh... was ist denn da los?"

  • W = Wahrnehmen: im Körper, Gedanken und Gefühle. Wahrnehmen was gerade ist.
  • E = Einatmen: sich bewusst einen Moment für sich selbst nehmen, auch gerne in den Körper spüren, sich etwas bewusst entspannen und mehr Gewicht an die Erde abgeben
  • E = Einflussbereich erkennen: was kann ich ändern, was kann ich nicht ändern? Auf welche Gegebenheiten habe ich in dieser Situation Einfluss?
  • H = Handlungsoptionen prüfen: was kann ich jetzt tun? Welche Möglichkeiten zu handeln habe ich?
  • H = Handeln: eine der Optionen wählen und dann umsetzen
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Foto: Richard Mücke

Anwendung in meinen Kursen

Da ich Achtsamkeitskurse anbiete, wollte ich eine Methode, die auch für Fragen von Teilnehmenden funktioniert.

Als Teilnehmender / Schüler lenkt mich vielleicht bei einer Meditation ein lautes Geräusch ab. Dann kann ich oWEEHH durchführen:

  • Wahrnehmen: das ist ein lautes Geräusch. Mein Körper hat gezuckt, mein Herz schlägt schneller, meine Arme sind angespannt und ich atme flacher
  • Einatmen: bewusst ein- und ausatmen und den Körper spüren, bemerken, wie ich mit der Erde verbunden bin, sicher stehe (oder sitze) und sich mein Atem beruhigt
  • Einflussbereich erkennen: ich kann das Geräusch vielleicht nicht verhindern, aber ich kann meinen Umgang damit ändern
  • Handlungsoptionen prüfen: ich kann meinen Fokus zurück auf das ursprüngliche Objekt lenken, ich kann mir sagen "Auch das darf sein" oder ich kann die Meditation abbrechen und die Ursache des Geräuschs abstellen oder das Fenster schließen
  • Handeln: ich entscheide mich dazu, meinen Fokus zurück auf das ursprüngliche Objekt zu lenken.

Als Kursleiter / Lehrer berichtet mir ein Schüler von einem lauten Geräusch, das ihn während der Meditation ablenkte. Dann kann ich oWEEHH durchführen:

  • Wahrnehmen: der Schüler wurde von einem Geräusch abgelenkt. Was macht das mit mir? Ich habe das Gefühl, ich muss eine Lösung liefern, habe Angst, etwas zu sagen, dass nicht hilfreich ist. Mein Körper verspannt sich, ich bekomme einen Tunnelblick.
  • Einatmen: bewusst ein- und ausatmen und den Körper spüren, bemerken, wie ich mit der Erde verbunden bin, sicher stehe (oder sitze) und sich mein Atem beruhigt
  • Einflussbereich erkennen: ich kann nicht für den Schüler meditieren, kann nicht das Geräusch verhindern. Aber ich kann Verständnis zeigen, ihm das Gefühl geben, dass es normal und ok ist, wenn man abgelenkt wird. Ablenkungen und Störungen sind gut, denn dadurch lernt man die Achtsamkeit. Sie sind Trainingsobjekte, zeigen, wie der Geist funktioniert und bringen zurück ins Hier und Jetzt.
  • Handlungsoptionen prüfen: ich kann das Fenster schließen, dem Schüler Verständnis und einen guten Umgang mit Ablenkungen vermitteln und ihm zeigen, dass es ok ist, abgelenkt zu werden.
  • Handeln: ich entscheide mich für eine Option und führe diese durch

Anwendung im Alltag

oWEEHH funktioniert aber auch im Alltag und kann wunderbar bei Problemen, in stressigen Momenten, in Entscheidungssituationen und quasi überall angewandt werden. Es geht schnell und basiert auf einem einfachen und klaren Schema.

oWEEHH löst keine Probleme, aber es hilft dabei, eine Problemlösung zu finden. Oder eben zu bemerken, dass es kein Problem gibt.

Die Vorteile von oWEEHH

Während bei RAIN und STOP in einem Begriff mehrere Schritte zusammengefasst werden, werden bei oWEEHH die Schritte exakt so vorgegeben, wie sie durchlaufen werden. Es reicht, sich am Schema entlang zu hangeln, um zu einem Ergebnis zu kommen (zu einer Handlung, die abgewogen und bewusst ist). Sie ist dadurch sehr einfach und alltagstauglich. Für strukturierte Menschen wie mich, ist das angenehmer.

Und so gilt auch hier: wenn Du mit STOP oder RAIN oder einer anderen Methode gut klar kommst, dann brauchst Du oWEEHH nicht :) Letztendlich geht es nur darum, dass Du eine bewusste Entscheidung in Situationen triffst - ob Du diese durch RAIN, STOP, oWEEHH oder Deine ganz eigene Methode entwickelst, ist ganz und gar Deine Sache. Vielleicht findest Du auch für Dich Deine ganz eigene Methode...

Benutzt Du eine der genannten Methoden oder andere? Was denkst Du über oWEEHH? Hast Du vielleicht eine eigene Methode entwickelt? Schreibe mir gerne: Kontakt.

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