Achtsamkeit ist immer und überall möglich. Auch unterwegs. Und darum geht in diesem Artikel.

Wind auf dem Fahrrad

Vor einigen Tagen war ich unterwegs nach Baden-Baden. Mit dem Faltrad gings zur S-Bahn. Während ich bei frischen 2 Grad Celsius kurbelte, blickte ich mit großen Augen zum Himmel. Die Sonne ging gerade auf und der Himmel war bunt: orange, gelblich, hellblau und über viele Zwischentöne zu dunkelblau.

Morgens
Foto: Richard Mücke

Ich spürte den kalten Fahrtwind auf der Haut, im Gesicht. Meine Augen tränten wie verrückt. Die Hände - in Handschuhe eingepackt - waren warm, während meine Füße ziemlich kalt wurden. An der Brust spürte ich weder große Kälte noch Hitze, sie fühlte sich neutral temperiert an. Bewegung, Muskeln, Wind, Geräusche, Autos...

Hitze in der S-Bahn

Am der S-Bahn-Station angekommen, trug ich das Fahrrad die Treppen herunter. Das Gewicht zog den Arm lang - zumindest fühlte es sich so an. Unten angekommen faltete ich das Rad zusammen und spürte Schweiß am Rücken. Dort saß der Rucksack. Ich stand und spürte meine Füße auf dem Metallgitter des Bahnsteigs, ich nahm den Wind im Gesicht wahr. Der Blick zum bunten Himmel und die Ohren ganz in der Umgebung.

Die S-Bahn kam und stehend fixierte ich mit den Füßen das Faltrad während der Fahrt. Mir taten meine Füße recht bald weh - die Stellung war ungewohnt. Die Heizung sorgte für Hitze und mein ganzer Körper wärmte rasch und nachhaltig auf. Einige Minuten beobachtete ich das Gefühl von Hitze auf dem Kopf und betrachtete diese Wahrnehmung genauer. Dann zog ich die Mütze aus, ganz bewusst. Und spürte die Änderung im ganzen Körper, wie die Hitze sich reduzierte.

Symbolbild Zug
Foto: Richard Mücke

Jeder Abschnitt der Reise ist mit anderen Körperwahrnehmungen verknüpft: Temperatur, Druckverteilung auf den Füßen, Stellung der Beine, Kopfhaltung, sitzend, stehend oder sich fortbewegend. In jedem Moment kann ich meinen Körper spüren. Eindrücke von Außen, die dazu kommen: Hitze, Geräusche, Wind, Gerüche und Beschleunigungen des Zuges.

Meditation im Zug

Etwas später hatte ich im ICE eine Zweierbank für mich alleine und sank in den Sessel. Die Lehne etwas zurück und die Augen zu. Ich vertiefte mich in Ruhe, in innere Stille und tat Nichts (siehe Nichts-tun-Meditation). Das war wunderbar, weil alle Bilder und Ablenkungen einfach "da sein durften".

Den Rest der Reise - ich fuhr noch mit einem Regionalexpress und mit dem Taxi - spürte ich sporadisch in mich hinein, genoss ansonsten die Aussicht oder - auch das darf sein - schrieb ein paar Nachrichten.

Ankommen und gelassen sein

Am Ziel angekommen zog ich mich um und war bereits zu spät für meine Besprechung. Statt mich zu beeilen und mich selbst unter Druck und Stress zu setzen, ging ich langsam und bewusst vor. Am Ende erreichte ich den Besprechungsraum mit 10 Minuten Verspätung, was kein Problem war - und ich war gelassen.

Die bewusste Wahrnehmung der Reise und die Meditation im Kopf - das war eine wunderbare Erfahrung und half mir mit der sonst recht stressigen Intermodalität der Hinfahrt. Meditieren im Zug geht wunderbar und sich selbst wahrnehmen, das geht ja eigentlich immer.

Was machst Du im Zug oder in der S-Bahn? Betrachtest Du aufmerksam Deine Umgebung? Hörst Du auf die Geräusche, die da sind? Solltest Du Dein Smartphone schnell in die Hand nehmen wollen, dann nimm Dir einen Moment Zeit, um bewusst Deine Umgebung und Deinen Körper wahrzunehmen. Gib Dir selbst Zeit in der Bewegung anzukommen. Ob Du Dich selbst bewegst oder bewegt wirst - nimm wahr, was ist.

Wie gehts Dir damit? Was fällt Dir auf, wenn Du achtsam unterwegs bist? Du kannst mit gerne davon erzählen: Kontakt.

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