Klingeln, pfeifen, quietschen, rauschen, dröhnen, piepsen und brummen … Tinnitus ist laut.

Geräusche im Ohr

„Tinnitus ist eine Hörerfahrung, die ohne einen auf das Ohr treffenden Schall ein- oder beidseitig erlebt wird.“ (Wikipedia)

Ich habe auch Tinnitus. Eigentlich, seit ich mich erinnern kann – nie ohne. Woher er kommt, weiß ich nicht. Eine Vermutung meiner Mutter ist, dass er nach einer Ohrenentzündung in meiner Kindheit entstanden sein könnte.

Ich lebe jedenfalls mit Tinnitus. Aber meine Wahrnehmung hat sich verändert …

kopp.png
Zeichnung: Künstliche Intelligenz

Früher laut und undefiniert

Bis vor einigen Monaten war Stille für mich kaum auszuhalten. Je leiser die Umgebung, desto lauter empfand ich das Quietschen in meinen Ohren. Es quietscht unablässig, hochfrequent, wie unzählige verschiedene Töne gleichzeitig.

Jahrelang war dieser Geräuschbegleiter einfach da, und ich habe nie bewusst hingehört. Denn ich wusste: Wenn ich hinhorche, wird er lauter. Und lauter. Und noch lauter. So laut, dass ich gar nicht hinhören wollte.

Also ignorierte ich den Tinnitus und vermied zu leise Umgebungen. Nachts musste immer ein Fenster offen sein, damit Geräusche ins Zimmer kommen. An Ohrstöpsel konnte ich bei nächtlichem Lärm in der Nachbarschaft gar nicht denken: Sobald ich die Ohren verschloss, übernahm der Tinnitus. Er füllte mein ganzes Sein von den Ohren aus, und ich hatte das Gefühl, mein Körper bestehe nur noch aus unerträglichem Quietschen.

Also … Tinnitus ist doof.

Achtsame Annäherung

In meiner psychosomatischen Reha 2025 bekam ich ein Skript zu einem Kurs über den Umgang mit Tinnitus. Ich konnte ihn damals aus verschiedenen Gründen nicht besuchen, aber das Skript war spannend.

Darin stand zum Beispiel, dass man sich dem Tinnitus annähern kann, ihn nicht als Feind betrachten, sondern erforschen und beobachten. Das klang nach Achtsamkeit, und so begann ich nach der Reha vorsichtig auf den Tinnitus zu lauschen.

Ich ließ ihm Raum und erforschte ihn. Dabei stellte ich fest, dass ich – statt unzähliger einzelner Quietschtöne – zwei verschiedene Frequenzen höre. Auf dem einen Ohr eine höhere Frequenz als auf dem anderen. Sie überlagern sich und sind auch unterschiedlich laut.

Durch diese Überlagerung entsteht wohl der Eindruck von vielen Frequenzen.

Seine Lautstärke verändert sich manchmal, bleibt aber im Grunde recht konstant. Statt mich zu fürchten, beschäftige ich mich auch in Stille mit den Ohrgeräuschen und erlebe, dass sie – wider Erwarten und entgegen meiner Angst – mich nicht einnehmen. Sie werden zwar lauter, aber eher kräftiger, nicht übermächtig oder ausfüllend. Ich kann sie beobachten, nicht bewerten, und wahrnehmen, wie sie sind: wie sie sich bei Drehung des Kopfes verändern, wie sich Dehnungsübungen im Unterkiefer oder Druck auf bestimmte Punkte am Kopf auswirken.

Der Schrecken geht, der Tinnitus bleibt

Durch den achtsamen Umgang hat der Tinnitus seinen Schrecken verloren. Natürlich stört er hin und wieder, und manchmal würde ich schon gerne wissen, wie es ohne dieses Dauerquietschen ist. Aber: Ich kann nun Ohrstöpsel nutzen, ohne Angst oder Beklemmung. Und das ist großartig, wenn es draußen doch mal zu laut wird.

Meine achtsame Annäherung an den Tinnitus, die nicht-wertende Wahrnehmung dessen, was er ist, hat meinen Umgang mit den Geräuschen verändert. Weggezaubert wurde das Quietschen nicht – es ist genau so da wie immer. Aber ich gehe anders damit um. Und das befreit, fühlt sich gut an, und ich habe das Gefühl, dass mich der Tinnitus nicht mehr kontrolliert. Er existiert. Mit mir zusammen. Gut so.

Hast du auch einen Tinnitus? Wie geht’s dir damit – erlebst du ihn eher als Feind oder als Teil von dir? Schreib mir... Kontakt.

Hinweis: dieser Text wurde mit Hilfe einer Künstlichen Intelligenz (KI) behutsam überarbeitet. Der Inhalt stammt vom Autor, die KI hat den Textfluss etwas verbessert.

Vorheriger Beitrag Nächster Beitrag