Schlafstörungen... wach liegen, nicht einchlafen können, Gedankenwirbelsturm im Kopf, durchwachte Nächte. Ich kenne das gut.

Schlafstörungen

Unter Schlafstörungen litt ich monatelang und über Jahre verteilt mehrfach. Auch jetzt gibt es Nächte, in denen ich nur vier Stunden schlafe und dann wach bin. Froh bin ich allerdings, dass die harten Zeiten vorbei sind: da gab es Wochen, in denen ich nur rund zwei Stunden schlief - jede Nacht. Solche Phasen mergeln aus, die machten mich richtig kaputt.

Wegen der Schlafstörungen war ich immer wieder bei Ärzten und Psychologinnen. Einen durchschla(f)genden Erfolg hatte ich damit aber leider nicht.

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Hund: Scotty :), Foto: Richard Mücke

Reha-Aufenthalt

Als ich Mitte 2025 in psychosomatischer Reha war, wurde mir am Tag meiner Aufnahme ein wichtiger Hinweis gegeben. Ich saß mit meiner Bezugstherapeutin zusammen und wir besprachen, welche Probleme mich in die Reha brachten. Ich berichtete von meinen Schlafstörungen und dass ich oft nach fünf oder sechs Stunden wach bin und nicht mehr einschlafen kann. Meine Therapeutin sagte darufhin: "Wenn ihr Körper dann erholt ist, ist es ausreichend. Dann brauchen Sie nicht mehr Schlaf. Vielleicht reichen Ihnen aktuell einfach fünf oder sechs Stunden Schlaf aus."

Seit diesem kleinen Hinweis erlaube ich mir selbst, mitten in der Nacht aufzustehen und das Bett zu verlassen, wenn ich aufwache und mich fit fühle. Meist lese ich dann in einem bequemen Sessel mit einer Tasse Tee in der Hand. Sehr angenehm. Manchmal kommt zu meiner üblichen Aufstehzeit dann die große Müdigkeit. Diese verschwindet aber und ich erlaube mir, tagsüber und bei Möglichkeit ein kurzes Nickerchen. In anderen Fällen bin ich gar nicht müde, sondern sehr entspannt und ruhig, weil ich viel Zeit mit mir, einem Buch, Tee und in Ruhe verbringen konnte. Den Druck durchzuschlafen oder wieder einzuschlafen, verspüre ich seit dem nicht mehr. Und das ist gut. Ohne Druck schläft es sich besser.

Uhrzeit in der Nacht

Die Schlafstörungen waren deswegen nicht unbedingt vorbei. Es gab nach der Reha wieder eine Phase mit sehr wenig Schlaf. Als ich bei meiner Ärztin war und darüber mit ihr sprach, fragte sie mich, wann ich denn Nachts wach werden würde. Ich antwortete: "Oft gegen 2 Uhr. Machmal auch schon gegen halb zwei."

Fast triumphierend antwortete sie: "Sehen Sie, das bedeutet, Sie schauen Nachts auf die Uhr! Und wenn Sie wissen, wie früh es ist, fangen Sie an zu rechnen, machen sich Sorgen über die verbleibende Zeit bis zum Weckerklingeln und liegen dann wach. Schauen Sie einfach nicht auf die Uhr!"

In der nächsten Nacht musste ich aufs Klo und tappste an der Leuchtanzeige der Uhr am Herd vorbei. Die Uhrzeit schrie mich förmlich an. Es fiel mir schwer, absichtlich den Blick abzuwenden. Aber ich versuchte es in der Folge.

In einer anderen Nacht wurde ich wach und kurz darauf schlug die Kirchturmuhr zwei Uhr. Das höre ich einfach und die Uhrzeit bekomme ich so immer mit.

Die Nachbarn gucken oft Fern bis spät in die Nacht, aber aus Erfahrung weiß ich, dass so gegen 1 Uhr der Fernseher ausgeschaltet wird. Bin ich also vor 1 Uhr wach und der Fernseher geht aus, weiß ich, dass es ca. 1 Uhr ist.

Ich will damit sagen: ich kann mich nicht vor der Information schützen, wie spät es ist. Irgendwie bekomme ich die Uhrzeit immer mit. Selbst, wenn ich nicht aktiv auf die Uhr schaue.

Das kann also nicht die Lösung sein. Ich überlegte...

Der Umgang mit der Uhr macht den Unterschied

Nicht die Uhrzeit selbst ist das Problem, sondern mein Umgang damit. Wache ich auf und stelle fest, dass es noch mitten in der Nacht ist, dann fange ich an zu grübeln, rechnen und mache mir einen Kopf darüber, wie viel oder wenig Schlaf ich hatte und nicht mehr bekommen werde.

Das hält wach.

Wenn ich nicht verhindern kann, die Uhrzeit zu erfahren, dann muss ich meinen Umgang damit ändern. Was liegt da näher, als die Achtsamkeit auch auf diese Wahrnehmung anzuwenden? Ist die Uhrzeit nicht einfach eine Wahrnehmung, die ich nicht zu bewerten brauche? 2 Uhr ist einfach ein Zeitpunkt. Weder gut, noch schlecht. Weder zu früh, noch zu spät.

Also löste ich mich davon, anhand der Uhrzeit Bewertungen durchzuführen und so in den Autopiloten-Modus zu fallen ("Oh nein, nur vier Stunden geschlafen, noch drei Stunden wach liegen...").

In Kombination mit dem Tipp meiner Bezugstherapeutin stehe ich nun auf, ganz egal welchen Wert die Uhr anzeigt - wenn ich wach bin. Wenn ich noch müde bin, dann zähle ich meinen Atem und schlafe in der Regel irgendwann auch wieder ein.

Es macht mich nicht mehr verrückt, weil eine Uhrzeit eine Uhrzeit ist und keine Bewertung meines Schlafes. Und das entspannt mich im Umgang mit dem Schlaf.

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Im Dachzelt, Foto: Richard Mücke

Schlaf ist dynamisch

Auf jeden Fall habe ich noch etwas gelernt: Schlaf ist dynamisch. Oft schlafe ich 6 Stunden und bin fit. Das reicht zur Zeit aus. Manchmal bin ich nach vier Stunden wach und stehe auf. Dafür mache ich dann tagsüber ein Nickerchen, wenn es passt. Und in seltenen Fällen schlafe ich sogar mal 7 oder 8 Stunden - das ist dann etwas ganz besonderes. Meist fühle ich mich nach so viel Schlaf gar nicht fitter.

Will sagen: Schlaf ist bei mir auf keinen Fall statisch. Mein Körper schläft mal länger und mal kürzer und wenn ich entspannt bleibe dabei, dann ist das auch absolut ok.

Wie viel Schlaf ich brauche sollte nicht die Uhrzeit bestimmen oder irgendwelche Durchschnittswerte der Bevölkerung, sondern einzig und allein mein Körper.

Und damit schlafe ich gut.

Gute Nacht.

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