Ein Intensiv-Kurs ist ganz schön intensiv...
Mindfulness Based Stress Reduction (MBSR, siehe Wikipedia) ist eine Methode, die man in MBSR-Kursen erlernen kann.
Anfang 2026 besuchte ich einen regulären 8-wöchigen MBSR-Kurs (siehe Blog-Beitrag).
Und im September 2026 nahm ich an einem MBSR-Intensivkurs teil. Geleitet wurde der Kurs von Gabi Junklewitz und veranstaltet vom Odenwaldinstitut.
Das Odenwaldinstitut hat seinen Sitz auf er Tromm, einem Bergrücken im Odenwald. Schön ist es dort! Aber auch weg vom Schuss. Eine Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln gleicht einem Abenteuer.
Die schöne Lage am Wald lässt natürlich viel Bewegung in der Natur zu. Nachts in meinem Zimmer hörte ich draußen nur ab und an einem Kauz, der rief. Sonst nichts...
Wald, Sonnenaufgang über den Bergen und viel Natur. Wirklich schön.

Persönlich war der Intensivkurs ein bisschen eine Achterbahnfahrt für mich. Anfangs konnte ich entspannen und genoss die Meditationen, Joga und den Austausch in der Gruppe. Wir waren 13 Teilnehmende und Gabi, alles wunderbare, offene, herzliche Menschen.
Nach zwei Tagen straffen Programms merkte ich, dass mir Zeit für mich, für die Verarbeitung der Inhalte fehlt. Ich entwickelte deutliche Stresssymptome und zog ich immer mehr zurück.
Ich nahm den Stress deutlich wahr, konnte aber nicht mehr richtig reagieren. Ich verlor mich im Stress. Das war nicht so schön. Mir gelang es irgendwann mich Gabi gegenüber zu öffnen und mich am Tag der Achtsamkeit (die Gruppe verlebt den Tag in Schweigen) für zwei Stunden zurück zu ziehen. Natürlich geht die Selbstfürsorge gerade beim MBSR vor und jeder Teilnehmende wird dazu ermutigt, das zu tun, was ihr/ihm gut tut. Ich brauchte nur einen langen Anlauf, um das bei mir aktiv umzusetzen.
Die Pause tat mir gut. Ich kam wieder zu mir und konnte am restlichen Kurs wieder aufmerksam teilnehmen.
Am Abend des Tages des Schweigens konnten wir jeder für sich entscheiden, ob wir das Schweigen verlängern wollen. Ich war der einzige, der tatsächlich weiter schweigen wollte und genoss die Ruhe und Stille, die ich mir damit schenkte.
Gleichzeitig bemerkte ich unterschiedliche und sich widersprechende Bedürfnisse bei mir. Einerseits brauchte ich Ruhe und Stille und Zeit für mich, andererseits wollte ich mich wieder mehr in die Gruppe integrieren. In der Folge erlebte ich intensive emotionale Wellen, die mich teilweise überfluteten.
Auch diese Dinge sprach ich nach und nach bei Gabi, anderen Teilnehmenden und am Ende auch in der Gruppe an. Das hatte ganz positive Wirkungen. Trotzdem bleibt ein bisschen das Gefühl, meinen eigenen Ansprüchen nicht genügt zu haben.
Gut, dass ich das wahrnehme.
Der letzte Tag war sehr emotional. Alle Teilnehmenden reflektierten die Zeit vor Ort, es flossen Tränen und wir fühlten alle miteinander. Das war sehr schön.
Und ich war sehr froh, dass der intensive Intensivkurs vorbei war. Bei schönstem Wetter fuhren wir nach Hause und ich konnte die Ruhe erleben, die ich tatsächlich etwas vermisst hatte.
"Wie war es so?" - auf diese Frage antworte ich: es war intensiv, anstrengend, aufwühlend, stressig, kräftezehrend und ermüdend. Und es war wunderschön, entspannend, erdend, bewegend, aktivierend, emotional, verbindend, tiefgründig und anregend.
Ich persönlich würde keinen Intensivkurs machen - ich brauche Zeit für mich, um die Eindrücke und das Erleben zu verarbeiten. Dann kann es in mir seine volle Wirkung entfalten. Diese Zeit hatte ich nicht bzw. konnte sie mir nicht nehmen.
Trotzdem hat mir der Kurs sehr viel gebracht, gezeigt und Themen aufgeworfen, die ich mit Freude und Neugier angehe.
Dieser Kurs ist wunderbar und wer nicht so viel Zeit für sich braucht, wie ich, der/die wird diesen Kurs bestimmt ganz anders wahrnehmen, als ich. Die anderen Teilnehmenden zeigten sich begeistert und abgeholt.
Ich möchte die Ausbildung zum MBSR-Lehrer machen. Das Odenwaldinstitut bietet diese Ausbildung an - und es setzt die Teilnahme an dieser MBSR-Intensivwoche voraus. Das war der Grund meiner Teilnahme.
Als nächstes folgt ein fünftägiges Schweigeretreat auf das ich mich sehr freue. Schweigen liegt mir sehr.
Und im März 2027 startet dann die Ausbildung. Im Juni 2028 sollte ich dann, wenn alles klappt, offiziell zertifizierter MBSR-Lehrer sein.
Weder empfehle ich diesen Kurs noch rate ich davon ab. Dein Erleben, deine eigenen Bedürfnisse und deine Kenntnisse darüber, wie Du mit einem intensiven Kurs und straffen Programm umgehst sind die Wegweiser, die Du beachten solltest.
Aber ich würde eher den achtwöchigen Kurs empfehlen, der auch dem Standard-MBSR-Kurs entspricht. Geduld, Zeit und die Übungen sind gute Zutaten für eine längerfristige Wirkung. Das ist eine ganz andere Herangehensweise - auch wenn die Inhalte sehr ähnlich sind.
Meine klare Empfehlung ist daher: höre in Dich selbst hinein, was Dir gut tut. Mehr Zeit oder lieber kompakt & knackig?
Ich freue mich über Dein Feedback. Hast Du einen MSBR-Kurs gemacht? Könntest Du Dir einen Intensivkurs vorstellen? Schreib mir: Kontakt