Erschöpfung und Müdigkeit - und dann noch meditieren? Geht das?

Kennst Du das auch? In einem Moment der Ruhe merkst Du plötzlich, wie erschöpft Du bist? Ich hatte lange Zeit Schlafstörungen (siehe Schlafstörungen im Blog) und wenn ich nach einer viel zu kurzen Nacht - einer von vielen in Folge - am Gleis auf meinen Zug wartete, dann merkte ich plötzlich, dass mich nur noch reine Willenskraft aufrecht hielt.
Ich merkte genau: jetzt nur eine Sekunde vergessen, dass ich aufrecht stehen bleiben muss - und ich falle direkt um.
Man muss nicht mit massiven Schlafstörungen kämpfen, um sich erschöpft, ausgelaugt und müde zu fühlen.
Tatsächlich geht es vielen Menschen so. Wir schlafen zu wenig, denken zu viel über Dinge nach, die wir nicht beeinflussen können und rennen von Termin zu Termin, erledigen Aufgabe um Aufgabe und kommen niemals irgendwo an.
In der Alltagsroutine merkt man das oft gar nicht - aber eigentlich ist man hundemüde und total erschöpft.
Im MBSR-Intensivkurs, den ich kürzlich besuchte, gähnten wir um die Wette. Der Tag startete mit Meditationen und den Tag über meditierten wir immer wieder. Und da kam die Müdigkeit raus. Gähnen, Strecken, die Augen fielen zu.
Beim Meditieren kehrt Ruhe und Stille ein. Die Gedanken werden ruhiger, die Turbulenzen im Innern schwächer und der Körper entspannt sich. Fast wie beim Einschlafen. Meditation kann die Müdigkeit, die Du in Dir trägst, hervorholen. Und das ist ok so.
Immer wieder sitze ich auf meinem Meditationsbänkchen und schrecke hoch, weil mein Körper plötzlich zusammensacken wollte. Ich war kurz vor dem Einschlafen. Oft versuche ich dann die Augen offen zu halten - was aber nicht immer klappt. Sie fallen dann leise und heimlich wieder zu.
Auch das ist ok.
Wenn ich Müdigkeit bei der Meditation feststelle, versuche ich in meinen Körper zu spüren: wo sitzt die Müdigkeit? Wie spüre ich sie im Körper? Spüre ich Schwere oder Leichtigkeit? Welche automatischen Bewegungen wollen ablaufen - Gähnen, Strecken, die Sitzposition ändern? Das sind alles Automatismen, die wir uns angewöhnt haben. Damit reagieren wir auf Müdigkeit, die nicht sein soll. Wir müssen ja wach bleiben.
Genau diese Gedanken kann man auch wahrnehmen, woher kommen sie? Wohin gehen sie? Wie spielen sie mit dem Körper zusammen?
Strecke ich mich zuerst und denke dann "Ich darf nicht einschlafen"? Oder ist es anders rum? Erst der Gedanke und dann die Körperreaktion?
Achtsames Wahrnehmen von Müdigkeit - das kann schwer und anstrengend sein. Aber es ist eine wunderbare Möglichkeit, die Automatismen des Seins zu erfahren.
Spiele damit, wenn Du das kannst. Nimm wahr, was da ist...
Manchmal bin ich so müde, dass ich nicht meditiere. Ich nutze dann die Zeit, um ein bisschen zu schlafen. Meine Erfahrung (siehe Schlafstörungen im Blog) zeigt: 30 Minuten Schlaf sind dann einfach eine bessere Methode, als zu sitzen und immer wieder wegzudämmern.
So, wie immer, gilt ja eigentlich: Selbstfürsorge betreiben! Und bist Du hundemüde, dann leg Dich hin (wenn das geht).
Vielleicht magst Du Dich in einer ähnlichen Situation mal fragen: "Was kann ich ändern, damit ich nicht so müde bin?"
Hierbei kann die oWEEHH-Methode helfen.

Annehmend wahrnehmen: da ist Müdigkeit. Und da ist der Wunsch zu meditieren.
Vielleicht hilft Dir jetzt ein wenig Schlaf oder eine Meditation mit Deiner Müdigkeit. Beides ist da und darf da sein. Erforsche die Müdigkeit, wie Du auch andere Gedanken und Körperwahrnehmungen erforscht. Und erlaube Dir, müde zu sein und Schlaf nachzuholen.
Du darfst müde sein. Dein Körper sagt Dir, was er braucht. Diese Signale sollte man nicht ignorieren.
Und nun viel Spaß beim Schlafen und beim Meditieren... Gute Nacht.
Wie schläfst Du? Erzähle mir davon: Kontakt